RAM (Random Access Memory) oder Arbeitsspeicher ist das Kurzzeitgedächtnis deines Servers. Anders als SSDs oder Festplatten bietet Arbeitsspeicher extrem schnellen Zugriff für laufende Prozesse, aktive Datenbanken und Caches. Wenn dein Server RAM benötigt, muss die Leistung sofort verfügbar sein – Verzögerungen sind keine Option.
Die aktuelle RAM-Knappheit beschreibt eine Kombination aus zwei Faktoren:
- Physische Verfügbarkeit: Lieferzeiten für bestimmte Speichermodule haben sich von wenigen Tagen auf teilweise 6–12 Wochen ausgedehnt.
- Wirtschaftliche Knappheit: Die Preise für DRAM sind seit 2024/2025 drastisch gestiegen, was Beschaffungsbudgets sprengt und Investitionsentscheidungen verkompliziert.
Im Rechenzentrum trifft man auf unterschiedliche RAM-Arten, die alle von der Knappheit betroffen sind:
- DDR4/DDR5-DRAM: Standard-Speicher für Server und Desktop-PCs
- ECC-RAM: Fehlerkorrigierender Arbeitsspeicher für kritische Server-Workloads
- HBM (High Bandwidth Memory): Hochleistungsspeicher für KI-Beschleuniger und GPUs
Die Knappheit trifft das gesamte Ökosystem – von großen Hyperscalern über Cloud-Provider bis zu mittelständischen Webhosting-Anbietern. Der entscheidende Unterschied liegt in der Verhandlungsmacht: Während Amazon, Google und Microsoft langfristige Lieferverträge mit Samsung, Micron und SK hynix abschließen können, landen kleinere Unternehmen in der Beschaffungskette weiter hinten.
Marktlage 2025/2026: Wie kam es zur RAM-Krise?
Die Jahre 2023 bis 2026 beschreiben einen dramatischen Spannungsbogen: von Überkapazitäten und Preisverfall zu extremer Knappheit und Rekordpreisen. Die aktuelle Marktsituation für Arbeitsspeicher ist weiterhin angespannt, und eine kurzfristige Entspannung ist auf dem Markt nicht in Sicht. Diese Entwicklung kam nicht über Nacht, sondern folgt einer nachvollziehbaren Marktlogik.
Rückblick 2023–2024: Die strategische Produktionskürzung
Nach dem Preiscrash 2022/23 haben die großen Speicherhersteller eine wichtige Lektion gelernt. Samsung, Micron und SK hynix kürzten ihre Produktion bewusst, weil ihre Lager zu voll und die Margen zu niedrig waren. Das Ziel: nicht „so viel wie möglich“ produzieren, sondern „so viel, wie es für hohe Preise braucht“.
Sprunghafte Nachfrage 2024–2026
Während die Hersteller ihre Kapazitäten drosselten, explodierte die Nachfrage durch mehrere Faktoren:
- Massiver KI-Boom: Chatbots, Bildgeneratoren und Large Language Models (LLMs) benötigen enorme Speichermengen. KI-Beschleuniger wie Nvidias Blackwell/B200-Serie verwenden HBM – gestapelte Speicherchips mit extremer Bandbreite.
- Neue Server-Generationen: Intel Xeon und AMD EPYC setzen auf DDR5, wodurch die Nachfrage genau in dem Segment steigt, das am knappsten ist.
- Stärkere Virtualisierung: Container-Orchestrierung und dichtere VM-Konsolidierung treiben den RAM-Bedarf pro physischem Server nach oben.
Konkrete Daten zur Preisexplosion
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
| Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|
| Q1/2024 – Q4/2025 | Vertragspreise in manchen DRAM-Segmenten um 120–170 % gestiegen |
| Q3/2025 | DRAM-Marktpreise laut TrendForce rund 172 % über Vorjahr |
| Einzelbeispiel | Für neue Nodes in unserem virtual Datacenter bezahlen wir aktuell bis zu 3,5 Mal so viel wie noch vor einem Jahr. |
Gleichzeitig sind die Preise derzeit extrem volatil und ändern sich teilweise täglich. Offerten von Lieferanten haben häufig nur noch eine Gültigkeit von maximal 48 Stunden. Schnelle Entscheidungen sind gefragt, sonst ist die gewünschte Hardware entweder bereits weg oder der Preis weiter gestiegen.
Lieferzeiten als Engpassfaktor
Was früher in wenigen Tagen verfügbar war, dauert 2025/2026 oft 6–12 Wochen. Bestimmte Server-RAM-Kits mit hoher Kapazität sind besonders betroffen. In Japan wurden sogar Einzelhandelsgeschäfte bekannt, die den Verkauf pro Kunde limitieren.
Treiber der RAM-Knappheit: KI, Plattformwechsel und Großkunden
Die Knappheit resultiert aus drei Haupttreibern, die sich gegenseitig verstärken: der KI-Infrastruktur-Boom, der Plattformwechsel auf DDR5 und die Marktmacht der Großkunden.
KI-Boom als dominanter preistreiber
- KI-Cluster mit GPUs und TPUs benötigen enorme Mengen an DRAM und HBM pro Knoten – teilweise mehrere Terabyte RAM pro Rack
- Die durchschnittliche DRAM- und HBM-Kapazität pro Server-Knoten steigt kontinuierlich, damit GPUs und CPUs nie unter Datenmangel leiden
- Große Cloud-Anbieter blocken 2025–2027 langfristige Kontingente bei den drei dominanten Speicherherstellern
- KI-Inferenz – die praktische Anwendung vortrainierter KI-Modelle – erfordert erheblich mehr Speicherplatz als traditionelle Webanwendungen
Plattformwechsel auf DDR5
- Neue Servergenerationen seit 2023/2024 setzen fast ausschließlich auf DDR5-ECC
- Hersteller verlagern Kapazitäten weg von DDR4 zu DDR5 und HBM
- Paradoxer Effekt: DDR4-RAM und sogar DDR3-RAM können pro Gigabyte inzwischen teurer sein als modernes DDR5, weil sie nur noch auf Restkapazität laufen
- SO-DIMM-Module für kompakte Server sind ebenfalls von knappen Fertigungsslots betroffen
- Die Umstellung ist mit komplexeren Fertigungsprozessen verbunden, die vorübergehend die verfügbare Stückzahl reduzieren
Spannender Nebeneffekt: Aufgrund der aktuell knappen Verfügbarkeit von DDR5-RAM holen manche PC- und Server-Hersteller ältere Lagerbestände an DDR4- und sogar DDR3-RAM hervor. Wir erleben also gleichzeitig zum eigentlichen Plattformwechsel auch einen teilweisen Technologie-Rückschritt.
Großkunden-Effekte
- Hyperscaler und OEMs wie Dell, HPE und Lenovo sichern sich langfristige Lieferverträge mit Priorität
- PC-Hersteller wie Asus und MSI decken sich hektisch mit RAM ein, da Rechenzentren die Versorgung „praktisch aufzehren“
- Kleinere Webhosting-Anbieter und Systemhäuser landen in der Beschaffungskette hinten
- Dies verschärft sowohl die Preise als auch die Lieferzeiten für das mittelständische Hosting- und Cloud-Segment
Lösungen und Alternativen: Was tun bei RAM-Knappheit?
Strategien für Unternehmen und Privatnutzer
Die RAM-Knappheit, ausgelöst durch den anhaltenden KI-Boom und die rasant steigende Nachfrage nach leistungsfähigem Speicher, stellt Unternehmen und Privatnutzer gleichermaßen vor große Herausforderungen. Doch mit der richtigen Strategie lässt sich auch in dieser angespannten Marktsituation das Beste aus der eigenen IT-Infrastruktur herausholen.
Für Unternehmen empfiehlt es sich, die vorhandene Hardware und den Bedarf genau zu analysieren. Durch gezielte Investitionen in moderne Serverlösungen kann die Effizienz im Rechenzentrum deutlich gesteigert werden. Virtualisierung ist dabei ein zentrales Stichwort: Wer mehrere Anwendungen und Dienste auf weniger physischer Hardware konsolidiert, spart nicht nur RAM, sondern optimiert auch die Auslastung und senkt langfristig die Kosten. Gerade im Bereich der Virtualisierung lohnt sich ein genauer Blick auf die eingesetzten Komponenten – leistungsfähige DDR4- oder DDR5-RAM-Module von Herstellern wie Kingston oder SK hynix bieten hier eine solide Basis.
Auch für Privatnutzer gibt es praktikable Optionen, um die Auswirkungen der Speicherkrise abzufedern. Wer seinen PC oder Home-Office-Rechner aufrüsten möchte, sollte gezielt nach passenden Speicherkits suchen – etwa dem Kingston FURY Beast oder Modellen von G.Skill. Ein Umstieg auf DDR5-RAM kann sich lohnen, sofern das Mainboard und der Prozessor kompatibel sind. Im Vergleich zu älteren Modellen bieten DDR5-Module eine höhere Bandbreite und Zukunftssicherheit, auch wenn die Preise aktuell hoch sind.
Eine weitere Möglichkeit, den RAM-Bedarf zu entlasten, ist der Einsatz von schnellen SSDs. Hersteller wie Samsung und Fujitsu bieten eine breite Auswahl an SSDs, die als Ergänzung zum Arbeitsspeicher dienen und die Gesamtleistung des Systems spürbar verbessern können. Gerade bei speicherintensiven Anwendungen oder großen Datenmengen kann eine SSD als Zwischenspeicher Engpässe abmildern.
Sowohl im Unternehmen als auch im privaten Umfeld lohnt es sich, die Kommunikation und den tatsächlichen Bedarf regelmäßig zu überprüfen. Wer Prozesse optimiert, unnötige Hintergrunddienste deaktiviert und die Hardware-Konfiguration anpasst, kann oft schon mit kleinen Maßnahmen große Wirkung erzielen. Filter und Monitoring-Tools helfen dabei, Engpässe frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Ein Blick in die Zukunft zeigt: Die Entwicklung neuer Speichertechnologien wie GDDR6 verspricht höhere Geschwindigkeiten und Kapazitäten. Hersteller wie SK hynix, Samsung und andere investieren massiv in Forschung und Ausbau der Produktionskapazitäten, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Bis diese Innovationen jedoch flächendeckend verfügbar sind, bleibt es wichtig, die eigene IT-Infrastruktur flexibel zu halten und regelmäßig zu prüfen, welche Optionen und Produkte aktuell am besten zum eigenen Bedarf passen.
Wie geht hosttech mit der RAM-Krise um?
Als Anbieter von Rootservern, Business-Servern, Cloud-Lösungen und Webhosting sind wir von der knappen RAM-Verfügbarkeit und den steigenden Preisen natürlich stark betroffen. Glücklicherweise können wir derzeit noch auf großzügige eigene Lagerbestände zurückgreifen, was uns einen gewissen Spielraum verschafft. Die Beschaffung neuer Hardware, um etwa neue Nodes im virtual Datacenter anzulegen oder unsere Business-Server weiterhin zu guten Konditionen anzubieten, ist jedoch eine Herausforderung. Um die gewünschten Ergebnisse hinsichtlich Speicher- und Rechenleistung für unsere Kunden zu erzielen, legen wir besonderen Wert auf die Leistungsfähigkeit unserer Server. Auch unsere Lieferanten kämpfen mit der kurzen Offert-Gültigkeit der Produzenten sowie den langen Lieferzeiten. Wir bleiben aufmerksam, vergleichen Preise und versuchen, die besten Angebote für uns und unsere Kundschaft zu sichern.
Wird hosttech bald die Preise erhöhen?
Beste Lösungen und top Service zu fairen Preisen – das ist und bleibt auch in diesen herausfordernden Zeiten unsere Devise. Kurzfristige Preiserhöhungen aufgrund der RAM-Mangellage sind bei uns kein Thema. Mittelfristig werden die hohen Beschaffungskosten im Server- und Cloud-Bereich, wo RAM explizit eine Rolle spielt, aber irgendwann wohl nicht mehr tragbar sein. Hier kann es zu Preisanpassungen kommen. Selbstverständlich werden wir darüber transparent informieren.
Fazit: Wer Server braucht, sollte diese jetzt beschaffen
Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass sich die Lage ab 2027 wieder beruhigt, genau wissen kann man es aber nicht. Unsere Empfehlung: Wer derzeit Server benötigt, sollte sich jetzt um die Beschaffung kümmern und sich schnell entscheiden. In den nächsten Monaten wird sich die Situation wohl noch weiter zuspitzen und die RAM-Preise werden weiter steigen.
Mit einer Kombination aus smarter Hardware-Auswahl, gezielter Virtualisierung, dem Einsatz moderner SSDs und einer kontinuierlichen Bedarfsanalyse können Unternehmen und Privatnutzer die Herausforderungen der RAM-Knappheit meistern und ihre Systeme zukunftssicher aufstellen – trotz angespannter Marktsituation und steigender Preise.
